C & P Verlag
 
 

Sich den Fragen des Alltag stellen!

Frank-Eric Müller, Leipzig

Der Sommer im Jahr 2000 war mittelprächtig. Es regnete zu viel und die wenigen wirklich warmen Tage gingen viel zu schnell vorbei. In jenem Sommer ereigneten sich drei Dinge, die ich nicht vergessen werde:

Die französische Concorde stürzte ab. Der als unfehlbar geltende Mythos eines „eleganten Wundervogels“ wurde für 113 Menschen, darunter 97 Deutsche, zur Todesfalle. Damals gingen dramatische Bilder des Unglücks um die Welt, die mich sehr bewegten.
Die Deutsche Fußballnationalmannschaft stürzte ab. Das als Favorit gehandelte Team flog bei der EM in den Niederlanden nach der Vorrunde aus dem Turnier – ein Debakel für alle Fußballfans.
Und ich stürzte ab – gesundheitlich. In meinem Dienst als Pastor erlebte ich ein Burnout mit allem, was dazu gehört: Frustration im Dienst, Unlust, Menschen zu begegnen, Initiativlosigkeit, Schlafstörungen, Energiemangel, körperliche Beschwerden. Nach einem Krankenhausaufenthalt auf Grund eines körperlichen Zusammenbruchs, langwierigen Untersuchungen und vielen medizinischen Checks, befand ich mich in diesem Sommer für einige Wochen in einer Psychosomatischen Fachklinik.

Es war dann nur eine einzige Frage, die damals mein Leben änderte. Diese Frage wurde mir von einem Therapeuten der Klinik gestellt: „Herr Müller, erzählen Sie mir bitte von Ihrem Beruf. Wer ist eigentlich für das, was Sie beruflich tun, der Auftraggeber?“

Damals war diese Frage für mich wie ein Hammer. Was sollte ich darauf antworten? Gott, meine Kirchengemeinde, der Kirchenvorstand? Ich merkte, dass alle Versuche, diese Frage vorschnell zu beantworten, nicht den Kern trafen. Ich weiß noch wie heute, wie mir die Sekunden des Schweigens wie eine Ewigkeit vorkamen. „Im Grunde“, so war damals meine Antwort, „bin ich es oft selbst.“

Seitdem sind einige Jahre vergangen. Heute beschäftige ich mich damit, die richtigen Fragen zu stellen. Als Pastor in meiner Kirchengemeinde – zurzeit in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Leipzig (Baptisten) – stelle ich solche Fragen an mich selbst und an Andere. In Predigten, in Vorstandssitzungen oder Projektbesprechungen profitieren ich selbst und meine Kirchengemeinde davon. Als mittlerweile zertifizierter Coach, erfahrener Kommunikations- und Führungskräftetrainer und gefragter Referent helfe ich Menschen, durch richtige Fragen ihre Ziele zu finden und sie zu erreichen. Mit Kirchengemeinden und Unternehmen erarbeite ich Wege, noch effektiver zu handeln, Teams und Arbeitsgruppen zu formen und Menschen zu führen.

Das klingt alles nach dem altbekannten Zitronen-Schema: Einem Menschen geht es schlecht. Er kommt in eine Lebenskrise. In der Krise wird ihm geholfen. Hinterher ändert er sein Leben von Grund auf, er macht alles anders und – schreibt ein Buch. Eben nach dem Motto: wenn dir das Leben Zitronen reicht, mache Limonade daraus.

Das Schöne an diesem Schema ist, dass es wirklich funktioniert. Ja, man kann aus Zitronen Limonade machen! Oder ein ordentliches Soufflé. Und wenn das Leben noch etwas Salz und Tequila dazu gibt, hat man ein leckeres Partygetränk. Es kommt eben darauf an, die berühmte Chance in der Krise zu entdecken.

Das Leben reicht einem eine Menge Zitronen in Form von gesundheitlichen Einschnitten, beruflichen und privaten Problemen, finanziellen Herausforderungen oder seelischen Nöten. Diese Zitronen des Lebens sind sauer, kommen zur unpassenden Zeit, manchmal völlig überraschend und oftmals mit langer Vorankündigung und dann unausweichlich. Wenn sie da sind, liegen sie fast unbeweglich auf dem Lebensweg und blockieren. Aber die Möglichkeiten sind dann noch nicht zu Ende. Zum Glück gibt es Fragen, die weiterbringen.

 
 

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